Wenn sich die Welt in Nürnberg geschäftlich betrinkt, dann ist BRAU

Mitte November findet in Nürnberg einer von drei jährlichen Ausnahmezuständen neben Spielwarenmesse und Christkindlesmarkt statt. Die BrauBeviale oder einfacher gesprochen, die Brau. Laut offizieller Definition, die zwar weitaus weniger humorvoll als meine eigene Erfahrung, aber natürlich sehr viel businessmäßiger formuliert ist, handelt es sich um „DIE Investitionsgütermesse entlang der Prozesskette der Getränkewirtschaft“. Hier geht es um Lösungen und Trends für die Herstellung von Bier, Wasser, alkoholfreien Getränken, Wein und Sekt sowie flüssigen Molkereiprodukten.

Als ich heute Abend durch die Innenstadt laufe und am Hauptbahnhof in die U-Bahn steige, sind es FAST dieselben Schlagworte, die mir spontan durch den Kopf schießen. Entlang der Prozesskette der Getränkewirtschaft tummeln sich hier Messegäste aus aller Welt, sämtliche Hotels sind ausgebucht, alle Restaurants bis auf den letzten Tisch reserviert. Ich schnappe Gesprächsfetzen auf und muss ein herzhaftes Lachen unterdrücken. Schließlich sind das Geschäftsleute, die hier um mich herum sind. Beim Umsehen in den Sitzreihen schwappt das Lachen wieder nach oben…konzentrier Dich, Du kannst sie nicht auslachen.

Ach ja, ich sollte vielleicht erwähnen, dass ich gerade auf dem Heimweg von meinem Pilateskurs bin. In Sportklamotten, zerstörter Frisur, ausgepowert und mit Yogamatte unter dem Arm. Auf das muntere Messevölkchen muss ich wie ein Alien wirken. Wie damals im Hotel in Dresden. Als Hotelgäste in Frack und Abendkleid aus der Semperoper kommend zu mir in den Aufzug gestiegen sind. Als ich im Minionsschlafanzug mit Cocktail in der Hand vom 3. in den 4. Stock fahren wollte und in der Hotellobby gelandet bin. Aber das ist eine andere Geschichte!

Warum verkauft man den armen Asiaten eigentlich nur schlecht sitzende Anzüge, die sie noch kleiner wirken lassen? Die armen Messebesucher aus Fernost huschen stocknüchtern und verstört wirkend zwischen dem restlichen nicht mal ansatzweise nüchternen Messevolk umher und wirken völlig deplatziert in dieser buntgemischten Oktoberfest-Szenerie. Da wollen sie sich nur ein bisschen aktuelle Zapfhahntechnologie abschauen und dann sowas. Eigentlich unterscheiden sich die Messebesucher der BrauBeviale nur durch ihre Kleidung von Oktoberfestbesuchern. Hier stehen, sitzen und laufen die Saufnasen einfach nur in Businesskleidung in der Gegend rum.

Wobei…Businesskleidung. Vielleicht nicht alle. Einige Businessburschen kann ich ziemlich sicher als bayerische Lebensmitteltechnologen ausmachen. Durch ihren Janker, manche sogar in Lederhose. Vermutlich Studenten aus Freising, die künftigen Master of Hopfen und Malz. Oder doch nur Studenten, die als Promoter und baiuvarisch verkleidete Flyerverteiler arbeiten, weil die ausländischen Gäste Bier mit Lederhose assoziieren.

„Bisnäs is Bsssssnssss, iu nou?“ sagt der Amerikaner so schön. Zumindest der neben mir. Den Rest kann ich leider absolut nicht verstehen, dafür fehlen mir wohl mindestens 1,5 Promille Übersetzungshilfe. Sein Kollege Jiiiiiim versteht ihn dafür umso besser und lacht zurück „yeah god damn right, so totally fucking right, yeahhhhhh“.

Ausgestiegen und endlich wieder Empfang, muss ich sofort die Webseite der Messe aufrufen und stolpere direkt über die Themen Raw Materials, Technologies, Logistics und Marketing. Very international…business…you know…yeahhhhh. Frei übersetzt heißt das so viel wie Hopfen, Zapfhahn, Bierlaster und Freibierfest. Also quasi das gesamte Spektrum an Bier-Business. Es gibt wie ich auf der Startseite entdecke, sogar eine kostenlose Messe-App.

Das Motto lautet „Gute Gespräche. Gute Geschäfte“. Jaaaaaa, genau. Gespräche! Und Geschäfte! Wer zum Himmel soll die App bitte nutzen…und wann…und wie? Enthält sie Informationen für Messebesucher und Aussteller? Moment, hier steht sie bietet einen dynamischen Hallenplan und einen integrierten Carfinder? Ich stelle mir vor, wie der dynamische Hallenplan sich permanent dreht. Gegengleich zur betrunkenen Optik des Nutzers. Gleicht die App doppeltes Sehen aus?

Noch besser finde ich den Carfinder. Steht Messegast Jupp von Jever damit vor der Messehalle und spricht in sein iPhone wie Michael Knight zu K.I.T.? Oder nutzt man die App erst am nächsten Tag, indem man informiert wird, wo man vor dem geschäftlichen Filmriss den Firmenwagen geparkt hat? Ich hätte da noch einige hilfreiche Ideen. Trinkspielanleitungen und lustige Fakten über die Gäste aus aller Welt wie z.B. die Tatsache, dass Asiaten quasi gar kein Bier vertragen. Oder das Smartphone als Promilletest.

Versuchen Sie 5 Mal die 5 zu treffen…hoppsa, das war 5 Mal daneben, Sie finden die nächste U-Bahn-Station direkt vor der Messe. Ihr Autoschlüssel? Sie wurden für diese Aktion gesperrt. Würde einen richtig harten Businesskerl auf der Brau vermutlich nicht wirklich beeindrucken und abschrecken. „Wissssss? U-Baaaahn? Kommnich infraaage, Kanufahren. Chab nur pama pobiad. Neuer Hopfffffm und so. Güntha, Du auch…oda?“

Da fällt mir die Unterhaltung einiger Hostessen in der U-Bahn wieder ein. Die Eine, nennen wir sie die Heisere, erzählte ihren Kolleginnen amüsiert, wie ihre Standchefs und das gesamte Messepersonal der Firma sich heute wieder einfach nur weggekippt haben und dass die Brau ja nur deswegen unter der Woche ist, damit das nicht komplett ausartet. Angesichts der heute gesichteten Auswahl an internationelen Business-Suffköpfen frage ich mich, wie ausarten am Wochenende dann wohl aussehen würde.

Ich muss feststellen, dass meine studentischen Messejobs als Blackjack-Dealer auf der Spielwarenmesse und als Hostess auf der Interzoo im Nachhinein betrachtet wohl ziemlich spießig und langweilig waren. Aber immerhin bin ich damals mit Spielkarten, Pokerchips und Katzenfutter nach Hause gegangen anstatt mit einem fetten Kater, heiserer Stimme und einer App auf dem Smartphone, die einem nur 3 Tage im Jahr etwas nutzt und dann auch nur sturzbesoffen.

 

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Onlinedating – Charakterstudie über Dr. Jack Hill und Mist A. Hyde

Es gibt beim Onlinedating wie schon früher beschrieben viele verschiedene lustige Typen. Naja…viele verschiedene gruselige und abschreckende und manchmal ein bisschen lustige Typen. „Alle 11 Minuten verliebt sich ein Single auf Par***hip“ sagt die Werbung. Wer und wo dieser eine Single ist und wie er das managt würde ich ja zu gerne mal wissen. Ich kann leider nur in regelmäßigen Abständen mein Repertoire an unfassbaren Erlebnissen erweitern. Vielleicht gibt es Onlinedating ja nur, damit ich Futter für neue Blogbeiträge habe, wer weiß?

Nach Wochen rufe ich mal wieder mein Profil auf und schaue, wer mich geliked hat. Ohhh, da ist eine sehr nette Nachricht von Andreas, 33, blond, blaue Augen, groß, gutaussehend, sportlich, tolles Lachen und auf der Suche nach einer ernsten Beziehung. Ich antworte mal, der sieht sympathisch aus. Ist ja auch viel netter geschrieben als das übliche „Hallo“ oder noch abgefahrener „Hallo Du“.

Es folgt ein für Männer ungewöhnlich langer und ausführlicher Chat über sein Entsetzen, dass so viele Leute beim Onlinedating nur Mist schreiben, dass niemand mehr vernünftige Ansichten hat und dass er bald die Hoffnung verliert. Er spricht mir aus der Seele und es macht Spaß über spannende Reiseziele wie Neuseeland, Hobbies und verrückte Leidenschaften wie einen weihnachtlichen Herr-der-Ringe-Marathon oder Joberfahrungen zu schreiben. Relativ schnell steht fest, es wäre wohl noch interessanter diverse Themen persönlich bei einem Glas Wein in einem schönen Restaurant zu diskutieren.

Das erste Treffen…quasi ein Blind Date…aufregend und ätzend zugleich. Man weiß von Bildern, Chatnachrichten und Profilangaben wie „Nichtraucher“, „lebt alleine“ oder „Atheist“ ja trotzdem nichts über einen Menschen und soll dann einen Abend miteinander verbringen. Von sofortiger Seelenverwandtschaft bis hin zur Hoffnung auf spontane Selbstentzündung ist da an Emotionen alles möglich, aber es hilft ja nichts. Ich bin realistisch und neugierig, freue mich aber durchaus.

Natürlich erfüllt die Vorbereitung sämtliche Klischees. Den ersten Eindruck gibt es ja trotzdem nur ein Mal, selbst wenn man sich auf dem Papier bzw. Smartphone schon kennt. Daher morgens schon extra früher ins Büro, um zeitig gehen zu können. Es muss ja abends genug Zeit sein, um sich entspannt und ohne Stress als Traumfrau zu verkleiden. Haare glätten – ein glänzendes Fell verkauft sich nicht nur bei Hunden und Katzen viel besser und gesünder als stumpfes Gestrüpp. Frisch geduscht, Klamotten sorgfältig ausgewählt – Mischung aus Mädchen von nebenan und cooler Vamp – und dezent aber vorteilhaft geschminkt.

Am Morgen bekomme ich noch zwei Nachrichten, die mit „Guten Morgen“ beginnen. Zwei? Warum zwei? Weil er mir erst auf die letzte Frage vom Vorabend antwortet und schreibt er freut sich auf das Treffen am Abend und dann wünscht er mir eine Minute später nochmals einen guten Morgen und bedauert, dass wir das Treffen verschieben müssen, dass er mir gute Besserung und trotzdem einen angenehmen Arbeitstag wünscht. Hä? Gut, er wünscht wohl doch nicht MIR ein zweites Mal einen guten Morgen. Ich frage locker witzelnd nach, ob unser Treffen stattfindet, da ICH ja nicht krank bin. „Falscher Empfänger, wa ;-)?“

Bis zum Abend erhalte ich keine Antwort auf diesen für ihn durchaus etwas peinlichen Fauxpas. Eine Stunde vor dem Date interpretiere ich ganz optimistisch den Satz „Sorry, war heut früh im Stress, bin noch auf Arbeit und komme direkt hin, freu mich“ als eine Art seltsame Entschuldigung. Ich stehe vor besagtem Restaurant und werde über einen Unfall mit folgendem Stau und Verspätung informiert. Nach einem kleinen Scherz, dass ich in einer halben Stunde dann nebenan ins Kino gehe, erhalte ich keine Nachricht mehr und entscheide mich nach 45 Minuten, dass ich nicht weiter hungrig in der Kälte warten will.

Ich reserviere noch schnell im Irish Pub nebenan einen Tisch für die Mädelsrunde im Dezember, weil ich tagsüber dort telefonisch niemand erreichen konnte und hole mir auf dem Rückweg bei meinem Lieblingsthai Tom Kha Gai. Gegen 20 Uhr kommt eine Nachricht mit Schlagworten wie Funkloch, Stau und der Frage, in welchem Kino ich denn jetzt sei. „Heimkino und Tom Kha Gai“ lautet meine kurze Antwort auf dem Weg nach Hause. „Wo is das denn?“ Wie, wo ist das…Heimkino ist zuhause…was meint er? „Das ist auf meinem Sofa“. Daraufhin kommt langsam die zickige Seite und Andreas erklärt mir schnippisch „na toll, dann kann ich jetzt wohl den Heimweg antreten?“

Ich erkläre ihm, dass ich fast eine Stunde in der Kälte gewartet habe, Hunger hatte und nichts mehr von ihm gehört habe. „Na toll und ich habe mich abgehetzt wie so ein Blöder, hätte Dir genauso passieren können, dass Du im Stau stehst“. Stimmt, hätte passieren können, ist es aber nicht und ich HABE ja fast eine Stunde gewartet, aber eben eine halbe Stunde nichts gehört…von jemandem, den ich nicht kenne und der die Nachrichten an seine diversen Chat-Damen gerne mal durcheinander bringt.

Daher frage ich ihn, was ER gemacht hätte und warum ich jetzt eine Zicke bin, nur weil ich keine zwei Stunden gewartet habe. Und genau hier kommt wieder einmal in meinem Leben der Punkt, ab dem ich nur noch grinsen und mit dem Kopf schütteln kann.

Onlinedating-ChatJetzt packt er komplett die beleidigte Bitch aus…irgendwie hatte ich ja das Gefühl ICH habe eine falsche Nachricht bekommen und ICH habe gewartet, aber anscheinend war es MEIN Fehler, dass ich gegangen bin. Auf seine schnippische, arrogante und kindische Reaktion will ich gerade total erwachsen und beherrscht senden, dass auch er nicht der Einzige ist, mit dem ich chatte. Da öffnet sich ein kleines Fenster mit folgender Information: „Sie wurden für diese Aktion gesperrt“

Wie jetzt? Ernsthaft? Er hat mich angepisst und auch noch direkt gesperrt, damit ich nicht antworten kann? Im Kindergarten einem anderen Kind das Spielzeug wegnehmen und dann wegrennen? Hatte ich lange nicht. Ich versuche es erneut und tippe ein „Na gottseidank bin ich nach Hause gegangen, sowas wie Dich hab ich gottseidank nicht nötig.“ „Sie wurden für diese Aktion gesperrt“

Ich muss irgendwie langsam lachen, weil ich mich anscheinend mit einem Kleinkind treffen wollte. „Du hast mich gesperrt, Du kleiner feiger Sitzpisser, hoffentlich hast Du schön blöd geschaut als niemand auf Dich gewartet hat vor dem Restaurant.“ „Sie wurden für diese Aktion gesperrt“

Haha 🙂 ich finde Gefallen daran. „Jetzt fährst Du alleine heim und kannst nicht fassen, wie eine Frau Dich stehen lassen konnte, wa? BÄM, in your face.“ „Sie wurden für diese Aktion gesperrt“

Ich muss mir diesen Satz merken, den werde ich künftig verwenden, wenn ich was nicht hören will. Frau Kaiser, wir müssten mal über das Ende Ihrer Probezeit sprechen – Sie wurden für diese Aktion gesperrt. Frau Kaiser, Sie sollten mehr Sport machen und weniger Schokolade essen, Ihre Blutwerte sind besorgniserregend – Sie wurden für diese Aktion gesperrt. Frau Kaiser, bitte überweisen Sie bis zum genannten Zeitpunkt die Nachzahlung in Höhe von 531,29 Euro – Sie wurden für diese Aktion gesperrt.

Unterm Strich bin ich eigentlich nur eines…nicht wütend oder traurig, enttäuscht oder verletzt…ich bin einfach nur heilfroh und höchst amüsiert, dass ich gegangen bin. Manchmal gibt es so etwas wie Fügung im Leben. Ich erfreue mich an dem Bild vom stinkigen kleinen Andreas in meinem Kopf, an das ich noch im Bett denke, nachdem ich Tom Kha Gai gegessen und zwei Folgen meiner Lieblingsserie im Heimkino auf meinem Sofa gesehen habe. Immerhin konnte ich auf dem Heimweg ja noch einiges erledigen. Notiz an mich – ich habe noch nie besser ausgesehen beim Tisch reservieren, Geld abheben und Suppe holen…

Neulich beim Unterwäschekauf

Auch auf die Gefahr hin einen Mythos zu zerstören. Wenn Frauen alleine Unterwäsche kaufen gehen, hat das meist nicht viel mit Erotik zu tun.

Ich stehe vor einiger Zeit mit dem Vorhaben etwas Nettes aus Spitze, feinen Stöffchen, figurschmeichelnd, weiblich und sexy zu kaufen, in der Dessousabteilung eines großen Kaufhauses. Hier erhoffe ich mir eine große Auswahl an Farben, Formen und Größen und finde es leichter als im Internet auszuwählen. Meine durchaus kreative Phantasie stößt regelmäßig an ihre Grenzen, wenn ich mir meine Kurven in Dessous vorstellen soll, die auf den Bildern im Onlineshop an knochigen blassen Models ohne Brust und Hintern seltsam unweiblich aussehen. Es wird mir immer ein Rätsel bleiben, warum gerade bei Unterwäsche die Wahl auf Models fällt, die theoretisch gar keinen BH bräuchten. Ich wohne im 3. Stockwerk und würde ja auch nie auf die Idee kommen mir einen Rasenmäher zu kaufen?

Eine komische Tatsache vielleicht mal noch ergänzt. In fast jedem Magazin kann man nachlesen, dass Frauen anscheinend grundsätzlich ihre BH’s eine Nummer zu klein kaufen – unverständlich eigentlich. Wir mogeln uns in zu kleine Hosen, nur damit wir uns und v.a. sonst niemandem eingestehen müssen, dass wir nicht mehr in die Jeans aus der Schulzeit passen. Und gerade die Brust schätzen wir zu klein ein, wo die ja eher größer gewünscht ist? Irgendwie verwunderlich…

Im Kaufhaus kommt jedenfalls sofort eine mütterliche Verkäuferin mit beeindruckendem Vorbau und wissendem Lächeln auf mich zugestochen. „Kann ich Ihnen helfen? Na suchen Sie mal lieber ein Körbchen größer, dann sticht der Bügel nicht so und es quetscht seitlich nicht alles raus, das will ja keiner sehen, gell?“

Wie…das will keiner sehen…da quetscht nichts…Moment mal. Nach wildem Gewusel um mich herum und einem Beratungsgespräch über meine nicht vorhandenen Vorstellungen über Farbe oder Form stehe ich mit einer beachtlichen Auswahl in der Umkleidekabine. Zumindest habe ich in den letzten 15 Minuten gelernt, was man diese Saison trägt, welche Farben zu meinem Teint passen und welche Formen meine Formen am besten formen.

Ich habe den ersten BH kaum angezogen, da reißt die Verkäuferin abrupt den Vorhang auf und packt beherzt zu. „Sind Sie schon so weit? Ich darf doch? Na dann schauen wir mal, ob die Größe passt.“ Ich bin ganz und gar nicht so weit und stottere nur überrumpelt ein paar halbsprachlose Brocken „äh…wie…ich…ääääähm…naja…also…Moment mal.“

Sie rüttelt aber schon links und rechts an den Bügeln herum, stellt die Träger straffer, prüft rabiat den Verschluss und hat meine Brüste in der Hand als würde sie die beiden wiegen wollen. Der Vorhang ist immernoch offen und im Hintergrund kann ich fremde Kunden sehen…und die mich…im BH…und Jeans…und Ringelsocken. Ich komme mir vor wie in einem Loriot-Sketch – wieder einmal in meinem Leben. Zu überrascht vom ungebetenen Übergriff stehe ich überfordert in der Kabine und lasse die Qualitätskontrolle über mich ergehen. Nicht ohne unweigerlich an den Arztbesuch vor zwei Wochen erinnert zu werden, bei dem auch schon eine Frau meine zwei besten Stücke in der Hand hatte. Die junge Frauenärztin war ähnlich beherzt und hemmungslos und hat alles kräftig abgeknetet. Was man nicht alles hinnimmt, um gesund und gut gekleidet durchs Leben zu gehen.

Ich frage mich, ob Männer das in ähnlicher Weise trifft? Mir fallen diverse lustige Geschichten aus dem Freundeskreis ein – zum Thema Musterung. Dabei ging es meist um eine gut aussehende junge Ärztin, Gummihandschuhe und den Spruch „Jetzt bitte mal kräftig husten“. Aber geht es Männern auch beim Shoppen wie mir gerade jetzt in der Umkleidekabine?

Die Vorstellung eines 34-Jährigen, der in einer Umkleidekabine steht und von einem Unterwäscheverkäufer „angegriffen“ wird amüsiert mich zutiefst. Ich stelle mir einen gut gekleideten selbstbewussten Verkäufer vor, der den Vorhang wegreißt und das Paket prüfend abtastet, daran rumruckelt und schaut, ob alles bequem verstaut ist. „Na, da haben wir uns aber in der Größe vergriffen, was? Ich glaube ich bring Ihnen da mal eine Nummer kleiner, schließlich soll das ja nicht rumrutschen wie eine Tüte weichgekochte Nudeln in der Kurve.“ Vielleicht gehen ja deswegen fast alle Männer so ungern shoppen und nutzen Onlineshopping statistisch gesehen sogar prozentual stärker als wir – weil sie in einer Umkleidekabine traumatisiert wurden…

Ja wo laufen Sie denn – Landkreislauf ist Krieg!

Auch ich nehme seit letztem Jahr an dem ein oder anderen Lauf teil. Kurzstrecken um die 5 km, ich habe (noch) keine Marathon-Ambitionen…weil ich meine Eltern nicht auf meiner eigenen Beerdigung sehen will. Ich laufe, weil Bewegung gut und gesund für mich ist und weil ich mich für 34 viel zu unfit fühle…nein, ich BIN unfit. Weil ich mein Essen nicht wie meine Vorfahren jagen muss. Es springt von selbst in meinen Einkaufswagen. Jedesmal wenn ich mich im Regal nach Gemüse oder Fisch umsehe, wirft sich hinter meinem Rücken Steak und Schokoladeneis in den Wagen. Ehrlich!

Naja, jedenfalls bin ich nun immer wieder bei diversen Läufen angemeldet – Stadtlauf, Ladies Run, Women’s Run…sowas! Weil es irgendwie total nach Spaß und Prosecco klingt und mir konkrete Ziele und Termine helfen den Schweinehund zu überwinden. Anmeldegebühr, Stolz und ein kleines bisschen Ehrgefühl verbieten es mir, einen Lauf abzusagen oder aufzugeben.

Eine Freundin fragt mich letztens noch mitten in meiner Vor-Vor-Vorbereitungsphase, ob ich beim Landkreislauf eine von zehn Läuferinnen ersetzen könnte, weil es so viele Ausfälle gab und das ganze Team sonst absagen müsste. Jaja…jetzt nach dem Lauf weiß ich, warum die alle „ausgefallen“ sind. Landkreislauf heißt nämlich übersetzt so viel wie „Stirb langsam 17 – Steigungen des Todes“. Nur weil sie im Wald keiner sehen kann, heißt es nicht, dass sie nicht da sind.

Hochmotiviert und gutgelaunt starte ich bei idealem Laufwetter an einem Samstag um 14:45 Uhr mit pinkem Nagellack und Schnürsenkeln passend zum pinken „Team Tussi“-Shirt (Name leicht verändert) die neunte von zehn Etappen. Zuvor konnte ich bereits in unserer WhatsApp-Gruppe den ganzen Tag mitverfolgen wie gut, schnell und erfolgreich meine Mitstreiterinnen ihre Etappen bestritten haben.

Lieblingsmusik im Ohr, im eigenen Tempo gestartet, um sich nicht hinreißen zu lassen zu schnell zu laufen und so weiter. Bis auf eine sehr viel jüngere Mitläuferin setzt sich das Läuferfeld relativ schnell in den ersten zwei Waldbiegungen ab – alles Hobbyläufer…ahhhh ja! Das junge Ding neben mir läuft langsam an mir vorbei und erhöht das Tempo. In einem Baumwoll-Bandshirt…und in einer weiten Polyester-Jogginghose…und in Chucks. JA! Sie läuft 5,6 km in Chucks und zieht an mir vorbei. An mir in multifunktionalen und atmungsaktiven Sportklamotten und professionellen Laufschuhen mit Schweißband, Pulsmesser und Tracking-App.

Zuerst behalte ich mein Tempo bei und beobachte argwöhnisch wie sie sich leicht absetzt – bis zur ersten Steigung. Hand in die Hüften, Schnappatmung und langsamer Gang. Guuuut, ich laufe weiter mein Tempo und überhole sie innerlich triumphierend. Lasset die Spiele beginnen, denke ich mir. Denn dieses Mädel war mit Sicherheit noch nie mehr als 1 km Laufen und wird mich aus falschem Ehrgeiz wieder überholen. 2,5 km zieht sich das Spiel zwischen uns hin und irgendwann reift in mir der Gedanke, dass ich lieber beide Lungenflügel hinter der Ziellinie auskotze und aus dieser Welt scheide als mich von diesem Couch-Girlie besiegen zu lassen!

Als ich mich bei Kilometer 3 umdrehe, sehe ich hinter mir allerdings nur noch den Besenwagen und dahinter einen Krankenwagen. Hat sich die jetzt echt einsammeln lassen und hat aufgegeben? Triumph, Sieg auf ganzer Linie, yeah…NEEEEEEIN! Ich bin Letzte…also die Letzte der Laufenden auf Etappe 9. Und die im Auto hinter mir glotzen jetzt bei Schritt-Tempo kilometerlang auf meinen joggenden Po. Oh Mann, super. Hätten wir mit 34 also Folgendes abgehakt:

√  am Landkreislauf teilnehmen
√  jungem Girlie zeigen, wo der Hammer hängt
√  eine Straße sperren lassen, nur damit Du ganz allein sie überqueren kannst
√  2,5 km vor dem Besenwagen herlaufen und als Letzte durchs Ziel gehen

Irgendwann fährt der Besenwagen neben mich und die Beifahrerin fragt mich höflich und freundlich, ob alles gut sei bei mir. Ich entschuldige mich bei den Insassen „Es tut mir echt leid, aber ich zieh das durch“. Ohrstöpsel wieder rein und weiter. Ironischerweise läuft gerade Happy von Pharrel Williams. Ich hätte sie anschreien sollen, ob es wirklich so aussieht als ob alles gut sei. Gut wird bei mir wieder alles gegen Abend, wenn ich vergessen habe, dass ich 5,6 km eine gefühlte senkrechte Steilwand hochlaufen musste…

An einem extrem steilen Bergstück im Ort stehen Anwohner mit ihren Kindern. Mann könnte sich jetzt einreden, dass das Klatschen dem Anfeuern dient, aber ich glaube ich habe eine Mutter mit ihren Kindern tuscheln hören, dass genau das passiert, wenn man als Kind zu wenig Gemüse isst. Dass man dann bei jedem Berg als Erwachsener extrem leidet. „Und des willst doch ned, odda Beeder…also morgen meld ich Dich zum Fussball an, gell?“

Nachdem die Strecke an vereinzelten Bäumen mit Absperrband markiert ist und an einigen Kreuzungen Helfer stehen und einem den Weg deuten, denkt man optimistisch, dass man sich nicht verlaufen kann. „Du, da sind immer andere Läufer vor und hinter Dir, des findst scho“. Ach ja? Vor und hinter mir? Wo laufen die denn? An einer besonders unübersichtlichen Waldkreuzung hängt Absperrband – Baum, Weg links, Weg rechts. Ich laufe darauf zu und frage mich mehrere Sekunden, ob mir das schnurgerade herunterhängende Band den Weg nach rechts oder links weisen soll.

√  Besenwagen pantomimisch nach dem Weg gefragt
√  Besenwagen-Insassen wahrscheinlich zu schallendem Gelächter getrieben

Kurz vor dem Ziel überhole ich noch einen landkreisbekannten Läufer, der sich wohl verletzt hat. Er humpelt jedenfalls barfuß mit zwei Sanitätern in Richtung Ziel. Noch schnell für das Zielfoto glücklich und locker laufend wie gerade frisch gestartet in die Kamera gelacht, um dann vergeblich das Sauerstoffzelt zu suchen. Froh darüber, dass die Zielfahne noch nicht abgebaut wurde und wenigstens einige Zuschauer geblieben sind, um auch mir und dem Verletzten zuzujubeln, stolpere ich auf unseren Teamkapitän zu.

„Lauter Stei—gu—ngen…pffff…Hölle…boaaahhhh…Katrin…pfuuuuuhhh…Du spinnst doch…ich hasse Dich…für immer“. Ihr trockener Kommentar „Hasters doch gschafft und kannst no reden, schaust gar ned so kaputt aus, hab Dich ned so, bassd doch“.

Ich habe die megasteilen und extrem anstrengenden 5,6 km unter meiner Zeit vom Ladies Run 2014 geschafft – damals nur 5 km und relativ flach wohlgemerkt. Unterm Strich also trotzdem ein kleiner persönlicher Sieg, weil ich mich verbessert und es durchgezogen habe. Chakka! Bis zum nächsten Lauf in einigen Wochen muss ich trotzdem häufiger trainieren. Unbedingt. Auf jeden Fall mit Trainingsplan. Regelmäßig und ohne Ausreden. Und nur noch Gemüse und Fisch bis dahin…ob Mövenpick wohl auf Nachhaltigkeit achtet?

 

Die EZB lässt Banknoten drucken – mein Auto vernichtet sie

Wer kennt das noch? Autos verbrennen Sparbücher?! Bevor ich selbst eins hatte, wusste ich echt nicht, dass die das können. Mein Fiat Panda ist offiziell ein Diesel – steht zumindest so in den Fahrzeugpapieren. Er fährt aber eigentlich mit Euroscheinen. Auf Nachfrage beim Hersteller hat man weder mein Problem noch mich wirklich ernst genommen – versteh ich bis heute nicht. Für das Modell hatte ich mich aufgrund der hohen nachgewiesenen Zuverlässigkeit entschieden. Die müssen wohl alle anderen aus der Baureihe getestet haben, nur meinen nicht.

Neben kleinen Startschwierigkeiten wie einem defekten Funkschlüssel, kaputter Lenkung, abwechselnd ausfallenden Front-Scheinwerfern und einem Anlasser, der kurz vor Ende der Garantie seine Sachen gepackt und gekündigt hat, ist nun 2015 das Jahr meines persönlichen Reparatur-Bingos. Ich hab schon einen Bodycomputer (nein, ich meine nicht den Bordcomputer, der heißt wirklich Bodycomputer), eine Kofferraumverriegelung, Bremsscheiben und -klötze, ein Querlenkerlager sowie neue Sommerreifen. Mir fehlt jetzt nur noch eins, dann mach ich die Reihe voll…ich bin auf alles gefasst, um loszuschreien. Und das werde ich auch mitten im Verkaufsraum, wenn ich wieder höre „wir haben da was gefunden“. Dann brüll ich lauthals „Bingooooooo“. Bin gespannt auf die Reaktionen…

Eigentlich will ich heute ja nur dem kleinen Hellblauen die neuen Sommerschuhe anziehen lassen. Als brave Kundin, die pünktlich zur Arbeit weiterfahren will und muss, habe ich extra vor zwei Wochen die alten zum Vormontieren hingebracht, weil es dann angeblich nur 30 Minuten dauert. Ersten Termin kurz vor 8 Uhr geschnappt, alles molto bene tutto paletti wie der Germanoitaliener so schön sagt. Da hab ich meine Rechnung aber ohne die Werkstatt gemacht, deren Namen ich nicht nenne, weil ich BIS HEUTE eigentlich immer sehr zufrieden war. Nur so viel…es handelt sich um eine große Kette und es ist nicht die mit dem „Yo Yo Yo Yo Yoooo“.

Nachdem mich der freundliche junge Herr etwas peinlich berührt darüber aufgeklärt hat, dass die Reifen natürlich leider nicht vormontiert wurden, warte ich über eine Stunde. Um die Dramatik der Situation zu verdeutlichen…da liegen nur Ausgaben der Auto Bild. Keine Brigitte, Tina, InTouch oder ähnlich herrlicher Wartezimmer-Zeitvertreibs-Trash. Die Kaffeemaschine wird gerade gewartet und spuckt nur rostige Brühe aus. War klar. Und der Rest kostet natürlich was. Ich überlege gerade, was für einen Nährwert ein Bum Bum (das Eis mit dem Kaugummi-Stiel, nicht das was morgens am Aufseßplatz angeboten wird) meinem Körper um 9 Uhr morgens auf nüchternen Magen bringt. Da fährt gottseidank mein frisch bereifter Flitzer vorbei. Also fertig und an die Kasse.

10414523_794926723881348_5918425724333742044_nHier stehe ich vor dem, was inzwischen fast so wüst und schlimm aussieht wie der Kassenbereich eines Supermarktes. Es gibt Feuerzeuge, Autokrimskrams wie Duftbäumchen in abgefahrenen Duftnoten wie „Macht“ – nicht lachen, denn wo Darth Vader abgebildet ist, kann nur Macht drin sein. Die dunkle Seite, aber ich fahre ein italienisches Auto…passt also. Smells like Mafia! Hat der Kleine im letzten Jahr schon bekommen. Als Belohnung dafür, dass er den TÜV anstandslos bekommen hat.

Unter dem ganzen Schnickschnack steht dann aber auch noch ein kleiner Aufsteller mit Wärmepflastern. Ich bin verwirrt und sinniere kurz über Nutzungsmöglichkeiten von Wärmepflastern an Autos. Wenn das Türschloss vereist ist? Nee, wir haben April, da ist nichts mehr vereist. Als modulare Sitzheizung? Wie viele bräuchte ich da wohl? Ich muss das Ding genauer untersuchen. Es handelt sich tatsächlich um ein medizinisches Wärmepflaster, wie man es aus der Apotheke kennt. Für Nacken, Rücken und Co.! Nur warum soll ich das hier kaufen? Ach Moment, ich merke gerade, dass auch ich verspannt bin durch die Warterei und den Ärger…CLEVER!

Meine hoffnungsvoll-naive Frage „Die Bremsen sind schon noch in Ordnung, gell?“ beantwortet der Service-Mitarbeiter mit „Naja, nicht wirklich, aber bevor Sie da die Scheiben und Klötze erneuern, würde ich sowieso erstmal das Querlenkerlager machen lassen“. Ich weiß nicht, warum es für solche Situationen hier keine Beruhigungstropfen an der Kasse gibt. Das würde wunderbar ins Konzept passen. „Wie…was…Moment…Querlenkerlager? Was stimmt nicht damit?“. Er klärt mich auf, dass es schade wäre, wenn ich mir dadurch die neuen Reifen einseitig abfahre. Zwar keine direkte Antwort auf meine Frage, aber zumindest eine Info.

Ich lasse jetzt erstmal gar nichts machen und warte ab, welches der Probleme sich zuerst dazu entscheidet akut zu werden. Ich bin eine Frau und kann mit so unkonkreten Angaben wie „das müssen Sie jetzt nicht heut oder morgen machen lassen, aber ich würde das schon im Hinterkopf behalten“ nichts anfangen. Also heute nicht und morgen auch nicht. Das ist gut. Dann schauen wir einfach, ob der Kofferraum, die Bremsen, der Bodycomputer oder das Querlenkerlager das Rennen machen. Auf die Plätze…fertig…LOS!

Sachen gibt’s, die gibt es gar nicht – oder doch?

Manchmal stolpert man im Internet ja über Dinge, die man nicht glauben kann oder will oder sollte – weil extrem absurde Fundstücke meist ein Fake oder Werbegag sind. Bei der folgenden Kuriosität habe ich noch keinen bestätigten Hinweis, dass es ein Fake ist – allerdings hege ich begründete Zweifel an der Echtheit! Amüsant ist es aber allemal…

Stellenausschreibung von Kaufmich.com

Es geht um eine Jobanzeige, die sich momentan über sämtliche Netzwerke verbreitet und die vielleicht schon der Ein oder Andere gesehen hat. Gesucht wird ein Tester / Qualitätsmanager (Bordelle) (m/w).

Das lass ich jetzt auch erstmal so wirken, weil man kurz drüber nachdenken muss, wie ich finde. Tester…mmhhh…Qualitätsmanager…okay…was testet man auf Qualität…Bordelle…egal ob männlich oder weiblich, wir nehmen alle Bewerber/innen. Heilige Scheiße, das kann nicht ernstgemeint sein. Oder doch?

Es folgt jedenfalls eine sehr schöne und höchst professionelle Beschreibung des Start-Ups. So ist zu lesen, dass es sich beim suchenden Unternehmen Kaufmich.com um ein „soziales Netzwerk für Sexarbeiterinnen, Kunden, Bordelle und Firmen im erotischen Umfeld“ handelt. An dieser Stelle kurz erklärt, weil ich natürlich nichts einfach so ohne gründliche Hintergrundrecherche veröffentliche – JA, ich habe die Seite getestet und sie sieht echt aus. Musste ich aber sofort wieder verlassen, weil es ja um pornöse Inhalte geht und ich eine anständige junge Frau mit gutem Ruf bin.

Und natürlich ist es ein soziales Netzwerk…was sonst? Selbst wenn Einige das vielleicht eher als asozial empfinden werden. Aber es geht nunmal um Zwischenmenschliches, also um Soziales. Mir fällt spontan absolut nichts ein, das zwischenmenschlicher ist als das Geschäft in der Körpermitte!

Nett finde ich persönlich auch die Beschreibung, dass „durch ein junges Team und eine flache Hierarchie die Arbeitsbedingungen sehr angenehm“ sind. Flach…ja…klingt einleuchtend…um nicht zu sagen vollkommen horizontal. Flacher als auf dem Rücken geht aus Sicht von uns Menschen ja auch nicht.

Den Aufgabenbereich muss ich jetzt einfach direkt kopieren, da sich das nicht schöner und ansprechender beschreiben lässt, um die nächsten Tage nur noch in Bildern zu denken: „Sie testen Bordelle nach Service, Sauberkeit und Einhaltung von Safer Sex-Praktiken. Dabei haben Sie Spaß am Sex mit den verschiedenen Damen und erstellen anschließend eine Bewertung, welche dann auf Kaufmich.com veröffentlicht wird. Ebenfalls besuchen Sie Kaufmich-Events wie z. B. Bukkake-Parties und Gang Bangs, welche Sie anschließend nach ihrer Qualität bewerten.“

So…Service, Sauberkeit und Spaß am Sex hoffe ich mal sehr für den künftigen Stelleninhaber und möchte das lieber nicht weiter ausführen. Bukkake musste ich erstmal googeln. Wikipedia liefert hier zwar eine sehr nette Erklärung, ich möchte es aber lieber mit eigenen Worten kurz zusammenfassen. Es geht quasi darum, dass Du von mehreren Männern so richtig schön…mmhhh…vorsichtig jetzt…naja…im Prinzip wirst Du einfach nur gruppen-eingesaut. Menschliches Taschentuch trifft es vielleicht am ehesten.

Die Anforderungen an mögliche Bewerber sind dann auch wirklich nicht ohne, denn neben einem „(Fach-)Hochschulstudium in einer betriebswirtschaftlichen Richtung (vorzugsweise Hotellerie) oder vergleichbaren Ausbildung“ sind „praktische Erfahrung aus mehrjährigen Bordellbesuchen oder Erfahrung mit Escorts von Vorteil“. Darüber hinaus werden zum Beispiel ein Gesundheitszeugnis und „Spaß am Umgang mit Menschen, d.h. keine Berührungsängste“ gefordert.

Und genau an dieser Stelle kommt natürlich mein krankes humoriges Hirn richtig in Wallung. Gegen den Film in meinem Kopf ist Shades of Grey ein harmloser Hausfrauensoftporno – die Bilder überschlagen sich quasi…

Wie darf man sich die Aufgaben in diesem Job in der Praxis vorstellen? Liegt der Tester – wir gehen jetzt der Einfachheit halber mal von einem Mann aus – also liegt der Tester dann auf Testobjekt Uschi im Bordellbetrieb „Plätscherndes Lendenvergnügen“ und unterbricht seine Arbeit mit dem Satz „Moment mal bitte ganz kurz, werte Dame, wenn ich darf müsste ich einige Notizen machen“? Oder stellt er sich gar nicht als Tester vor – wahrscheinlich. Wie weist er den Safer Sex nach? Bildliche Dokumentation oder eidesstattliche und notariell beglaubigte Erklärung des Testobjektes, dass das Testwerkzeug sich zum Zeitpunkt der Aktivität in adäquater Schutzkleidung befand?

Welche Kriterien werden genau bewertet? Einfallsreichtum, Variantenreichtum, audiovisuelle Präsentation oder Performance? Bekommt die feurige Jacqueline einen Extra-Stern, weil sie schreit und stöhnt wie Maria Sharapova beim Tiebreak in Wimbledon? Wird die erkältete Sandy abgestraft, weil sie wie eine billige Gummipuppe aus dem letzten Loch pfeift?

Und was ich mir auch überlege…wie sieht die Bewerbung für diese Stelle überhaupt aus. Werden Arbeitsproben beigelegt oder eine Projektmappe? Wird ein Kandidat auch an moralischen Werten gemessen, wenn beispielsweise Karl-Uwe angibt verheiratet zu sein und trotzdem jahrelange Bordell-Erfahrung nachweist? Wie sieht so ein Motivationsschreiben inhaltlich aus? Formuliert man da, dass man gerne mal rauskommen und viel rumkommen will, um überall reinzukommen? Und die wichtigste aller Fragen zum Schluß – was verdient ein Qualitätsmanager in diesem Bereich wohl?

Braucht Deutschland wirklich Ampelweibchen für die Gleichstellung?

Da schaltet man abends ganz harmlos den Fernseher an – um abzuschalten – und dann wird man durch eine Diskussionsrunde mit dem Thema „Nieder mit den Ampelmännchen – Deutschland im Gleichstellungswahn?“ in fünf Minuten zum Hulk…

Also ich bin ja wirklich eine emanzipierte junge Frau, die von vielen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte profitiert. Ich habe studiert, gehe wählen und genieße ein selbstbestimmtes Leben ohne spürbare Einschränkungen. Dazu brauche ich auch kein Ampelweibchen oder komplette sprachliche Gleichstellung. Wenn ich irgendwann einen Thriller meines Lieblingsautoren mit doppelt so vielen Seiten kaufen muss wegen „Leser und Leserinnen“, „Polizisten und Polizistinnen“, dann erschieße ich den Schuldigen bzw. die Schuldige mit einer Pistolin oder einer Maschinengewehrin.

Ich habe noch an keiner einzigen Fußgängerinnen-Ampel drüber nachgedacht, dass das Ampelmännchen nur für Männer gilt. Ich weiß ja trotzdem, wann ich stehenbleiben muss und wann nicht, selbst wenn das Ding keinen Rock anhat. Moment mal! Wenn wir Ampelweibchen bekommen, muss ich dann Rock tragen oder darf ich weiterhin Hosen kaufen?

Ampelmännchen in Österreich

Die Österreicher machen es mit Ampelpärchen vor (Foto: Julia Ziegler in Wien)

Und überhaupt…warum werden Frauen symbolisch mit Kleid oder Rock dargestellt? Als coole weibliche playstationspielende und fußballschauende Socke fühle ich mich in meiner Jeans-Ehre diskriminiert, wenn mir ein berocktes Klischee-Ampelweibchen aufgezwängt wird. Dann bitte eine coole Ampelfigur mit Brüsten, eins mit kurzen Haaren und Piercings, eins für Männer, die gerne Rock tragen – und und und. Am besten wäre ein Arbeitskreis für eine Umfrage und dann Multifunktionsampeln mit 136 durchwechselnden Figuren für alle geschlechtlichen Ausprägungen und in schwarz-weiß für Farbblinde und -blindinnen. Aber um Gottes und Göttin Willen alle in zufälliger Abfolge, nicht dass das als Rangfolge und Herabstufung interpretiert wird.

Es gibt ernsthaft Forschungsgruppen, die sich damit befassen, ob im Wald Schilder mit Tierabbildungen vereinheitlicht werden müssen. Anscheinend stören sich wirklich Leute daran, wenn es an einem Wildgehege heißt „der röhrende Hirsch“. Ich erläutere an dieser Stelle mal kurz das eigentliche Problem. Es gibt keine röhrenden Hirschkühe…die röhren nicht…niemals…tun sie nicht…haben sie noch nie…auch nicht für einen Gleichstellungsbeauftragten oder eine Hirschkuhbeauftragte!

Ich warte ehrlich gesagt insgeheim auf die ersten Beschwerden von Männern, dass es Ladies Night, Damensauna und Freundinnen-Pakete gibt und sie sich diskriminiert fühlen. Stellen wir uns das Ganze mal in einigen Jahrzehnten vor. Treffen sich Männer dann in anonymen heimlichen Diskriminierungsgruppen, in denen Horst (32, Nacktputzer) berichtet, wie sehr es ihn verstört, dass nur noch Frauen sich in den Schritt greifen und auf die Straße spucken dürfen? Oder Sören (56, Häkeltherapeut), der erzählt, wie sehr ihn die Fußballgetränkequote nervt, weil er wirklich gerne mal wieder ein Bier statt Hugo trinken würde, wenn seine Lieblingsmannschaft spielt…

Manche Auswüchse finde ich schon heute beängstigend und verstörend. Kinderbücher, in denen eine Autowerkstatt mit vorwiegend weiblichen Mechanikerinnen dargestellt wird? Gemischte Fußballteams in der Grundschule und die Tore der Mädchen zählen doppelt? Mit dieser Art des Unterdiearmegreifens möchte ich mich nicht identifizieren – ich will keine Quotenfrau sein oder mehr Gehalt einfordern, weil ich weiß was meine Kollegen verdienen, sondern mich als selbstbewusste Frau selbst durchsetzen und beweisen. Sonst werde ich doch im Prinzip als schwach und unselbständig diskriminiert, oder nicht?

Brainsharing im Büro

Kollegen…wo fange ich da an? Ich habe so viele nette, wertvolle, lustige und tolle Kollegen (und Kolleginnen natürlich auch) kennenlernen dürfen, die hier leider keinen Beitrag wert sind, weil sie zu gut, brav, ehrlich und intelligent sind. Zu NORMAL! Kein Mensch will etwas darüber lesen, wie ich mit tollen Kollegen bowlen war und mich toll unterhalten habe bis wir wieder ganz toll nach Hause gegangen sind.

Also berichte ich stattdessen über die absoluten Bomben und Kracher, die mich sprachlos gemacht haben. Ich nenne sie liebevoll meine Blitzbirnen. Der Fairness halber verzichte ich natürlich auf Namen und Beschreibungen, aber für die Lebendigkeit der Erzählung braucht es trotzdem authentische Figuren. Daher beginne ich mit einer Kollegin, die wohl vom Herzen her einer der liebsten und freundlichsten Menschen ist, die ich jemals getroffen habe. Nur leider mit einem geradezu kindlich naiven Gemüt und einer eher einfach gestrickten Intelligenz.

Anfangs sind die Erfahrungen noch eher irgendwie niedlich, wenn eine über 50-Jährige an ihrem ersten Tag eine geschlagene Minute wie ein scheues Reh vor einem Laptop mit externem Bildschirm steht und grübelt, wo die Anschalteknopf für der Gerät ist. Hierzu kurz erklärt, dass es sich um eine italienische Französin handelt mit diese total niedlische Agseeend.

Ich schmunzle, denke mir nichts dabei und helfe natürlich. Diese zwischenmenschliche Reaktion wandelt sich mit der Zeit allerdings gravierend, denn nach zahlreichen Hilfsaktionen „Enschuldige, aberä darfisch Disch ein Frage“ gehe ich Monate später zu einer Art Sozialstudie über und beobachte hilflose Verhaltensweisen eine zeitlang, um herauszufinden wie oft ein erwachsenes Kind auf die Herdplatte packt bevor die Erkenntnis einschlägt wie ein Blitz.

Experiment „falscher Login“ Teil I: ich registriere mir gegenüber beim morgendlichen Login-Vorgang ein unfreundliches PC-möööp, weil Passwort oder Benutzername wohl falsch sind. Mmmmhhhh, gestern war der EDV-Spezialist da und hat die Rechner aktualisiert und entrümpelt. Steht wohl als Benutzername noch „Admin“ drin und das übliche Passwort passt nicht dazu, denke ich mir.

Ich reagiere nicht und zähle mit…klack-klack-klack Passworteingabe möööp ZWEI…laaaangsame klack-klack-klack Passworteingabe möööp DREI…noch langsamere mit-zwei-Fingern-vorsichtig-tipp klack-klack-klack Passworteingabe möööp VIER…mit-einem-Finger-extrem-konzentriert-von-oben-tipp klack-klack-klack Passworteingabe möööp FÜNF. Gerade als ich denke, dass das wohl mein Soundtrack für den restlichen Tag wird, greift sie zum Telefon und ruft unseren Chef.

Der erklärt ihr in aller Kürze, dass sie den Benutzernamen in ihren eigenen abändern muss, dann passt auch das Passwort wieder, mit dem sie es seit einigen Minuten versucht. „Oh, das steht auf die Zettel von die erste Tag, oder? Die liegt Dsuhause…mmmmhh“. Da nützen einem die Zugangsdaten ja auch am meisten – machen wir alle so.

Experiment „falscher Login“ Teil II: man denkt ja, dass einem Menschen so etwas nur ein Mal passiert. Und dann schafft derjenige eine unfassbare Variante des Problems, die man nicht für möglich gehalten hat. So darf ich keine drei Tage später einer fast identischen Situation beiwohnen und muss mir ein Lachen verkneifen als es bei der morgendlichen Passworteingabe möööpt.

„Moooooment, isch…nein nein, die Name is korrekt. Sooooo“. Es klackt auf der Tastatur, es möööpt aus dem PC und meine Kollegin wird zunehmend verwirrter und ruft nach fünf Runden den PC-Spezialisten an. Der überrascht uns Beide, indem er ihr am Telefon eine Taste benennt. Die sie nicht kennt. Sprachbarriere, Unwissenheit, ich weiß es nicht. Jedenfalls lotst er sie über die Tastatur wie beim heißen Draht „links runter, runter, runter bis zu der breiten“. „Ahhhh, da is eine dicke Pfeil“. „Genau DIE. Das ist die Feststelltaste. Drück die bitte und versuch es dann nochmal“. Ich verrate wohl nicht zu viel, wenn ich sage, dass das Problem damit behoben ist.

Einen knappen Monat später sollen wir für unser Team-Event mit Hilfe von Nummern Teams auslosen, damit nicht immer dieselben Kollegen die Köpfe zusammenstecken wie sonst auch. Als eine der letzten bittet unser Chef nun meine Kollegin „Zieh doch mal bitte eine Nummer“. Mit der Antwort hat er nicht gerechnet. Sie strahlt ihn mit ihrem breitesten Lächeln freundlich an und sagt „Oh, nein danke“.

Irgendwann in diesen Wochen ist mir spontan durch den Kopf geschossen, ob einige der Blitzbirnen in meinem Umfeld evtl. an einem Brainsharing-Programm teilnehmen? Gibt es das? Wäre das eine mögliche Marktlücke? Wenn man sich überlegt wie viele Blitzbirnen man überall trifft, dann wäre die Gruppe an Interessenten sicherlich riesengroß!

Manchmal wünsche ich mir in solchen Momenten, dass ein Hirn vom Himmel fallen möge. Dann stehe ich da und stelle mir vor wie genau das passiert. Wie ich Zeuge werde, wenn in Zeitlupe die besagte Person dem besagten vom Himmel fallenden göttlichen IQ-Geschenk mit einem beherzten Schritt zur Seite ausweicht und es am Boden platschend zerplatzt „ha, diese Vogel hat misch nischt angeschissen, so eine Glüüück“. Tja, das wäre Ihr Hirn gewesen…

Nügida-Auflauf in der Nürnberger Südstadt

„Allmächd na, sän etzerla däi indolerandn Idiohdn wärgli a scho in Nämberch underweegs?“

Neuerdings wird in Zeiten von Demos, Antidemos und Antidemodemos selbst ein kurzer abendlicher Stadtbummel zum aufregenden und gleichzeitig furchterregenden Erlebnis. Dass Nügida heute zum ersten Mal in Erscheinung treten wird habe ich heute Morgen auf dem Weg in die Arbeit im Radio vernommen. Dachte mir noch wie ironisch das eigentlich ist an einem Rosenmontag, wo ja auch sonst nur besoffene pöbelnde Kasper rumlaufen, die morgen nicht arbeiten müssen – wie wollen die da auffallen? Aber gut, die Gidas treffen sich halt immer montags und wenn in diesem Jahr der Rosenmontag auf einen Montag fällt, dann ist das halt ein dummer Zufall.

Auf dem Weg zu Eilles komme ich an einer der vielen angekündigten friedlichen Gegendemonstrationen vorbei. Rund um den Weißen Turm sind mit bunter Kreide habt-Euch-alle-lieb-Frieden-für-alle-kauft-Bio-und-nur-mit-Gewissen-Sprüche aufgemalt. Auf den Sprüchen stehen 20 frierende Zuhörer, die mehr oder weniger gebannt dem Herrn mit Mikrofon zuhören, das im offenen Kofferraum eines bunten alten Kombis eingesteckt ist. Moment…wie…was…ach egal, ich muss weiter. Oder ist das doch eine Faschingsveranstaltung von Karnevalsnasen, die als Hippies gehen? Also bitte, wie soll man das heute auseinanderhalten!

Kurz festgestellt, dass Eilles wegen Rosenmontag oder wegen Nügida oder wegen (Gott behüte) Schokoladenausverkauf schon geschlossen hat, gehe ich an diesem brisanten Abend lieber wieder nach Hause. In meine sichere tolerant-deutsche Wohnung. Erstmal Duftkerzen aus dem schwedischen Möbelhaus und indische Räucherstäbchen anzünden, in die orientalischen Kissen kuscheln und mit dem asiatischen Tablet aus sicherer Entfernung den Nügida-Liveticker verfolgen.

Okay, also in der Südstadt. Wo auch sonst? Ich stelle mir gerade vor wie Anne Concuelo und der Bumbum-Gentleman gemeinsam mit dem verkleideten Rosenmontags-Mutantenstadl Nügida so richtig schön aufmischen! Im Liveticker ist die Rede von Nazis, von Aufmarsch und Blockaden. Haben sich die Ultras als Demonstranten verkleidet und stänkern heute mal mit Glatze und islamfeindlichen Schildern oder kann man mit einem IQ im nur 2-stelligen Bereich nur ein Hobby pflegen? Muss ich mal recherchieren…

„Wir sind das Volk“. Also ich weiß ja nicht, welches Volk diese Leute sein wollen, aber zu MEINEM Volk gehören die nicht und zu meinem Nürnberg auch nicht. Und apropos Käse…der alternativ zu Eilles bei Beck gekaufte Frust-Streusel-Käsekuchen schmeckt sensationell. Hat der Abend doch noch etwas Gutes!

Anmache auf Südstadt-Art

Ich wollte diesen Beitrag eigentlich der Kategorie „Männer und Frauen“ zuordnen, aber eine Freundin hat mich gebeten und darauf hingewiesen, dass die Südstadt eine eigene Kategorie verdient und braucht. Wer die Nürnberger Südstadt etwas kennt, der weiß was für ein Mutantenstadl sich dort tummelt – und das meine ich vollkommen wertfrei…

Ich stehe an einem stinknormalen Arbeitstag morgens um kurz nach 7 Uhr im Backwerk am Aufseßplatz, um mir für die S-Bahn einen Coffee to go zu holen. Und ich muss wohl niemandem erklären, wie redselig, intelligent und schlagfertig man kurz nach dem Aufstehen im Aufwach- und Standby-Modus ist – genau, gar nicht!

Hirn ist also quasi noch aus, ich stehe vor dem Kaffeeautomaten und spiele mit einem Zuckerpäckchen, während mein Latte Macchiato in den Pappbecher läuft. Neben mir steht irgendwer, aber müde und noch nicht wirklich ansprechbar registriere ich nur – Mann, jung, groß, farbig. Sein Kopf dreht sich zu mir und eine strahlend weiße Zahnreihe grinst mich an. Das nehme ich aus dem Augenwinkel gerade noch so wahr.

Da schallmeiht es mich in fröhlichem Deutsch mit afrikanischem Akzent von der Seite an „oh, Du schööööne Fraaau“. Ich nicke höflich lächelnd. „Mag Du Kaffee?“. Mmmh, Mist, der will sich unterhalten. „Ja, ich mag Kaffee“. „Mag Du Kaffee süüüüß“. Ich hebe nickend das Zuckerpäckchen und will wirklich nicht unhöflich sein, aber morgens den Ehemann und Vater meiner Kinder im Halbschlaf mit Sprachzentrum im Koma kennenlernen geht nicht, da muss er abends wiederkommen, tut mir leid.

Und dann überrascht er mich mit dem einzigen Satz, mit dem ich in dieser Situation, zu dieser Uhrzeit und an diesem Ort niemals gerechnet hätte. Wirklich. NIEMALS!

„Mag Du Kaffee und dann bumm bumm?“. Ich überlege kurz…nein, stimmt nicht. Ich kann nicht überlegen, ich bin zu baff, geschockt, überrumpelt und sprachlos. Ich schaue ihn an, schüttle den Kopf, nehme meinen Kaffee und gehe bezahlen. Möglichst schnell, lautlos und mit den Augen aus Fluchtreflex zur Tür gewandt.

Als ich in der S-Bahn wieder einigermaßen meine Fassung wiedergefunden habe, überlege ich mir, ob seine Erfolgsquote morgens in der Südstadt mit dieser charmant-aggressiven Koitus-Anfrage tatsächlich bei 0% liegt, oder ob es schon geklappt hat. Und wenn ja, mit wem?