Kollegen…wo fange ich da an? Ich habe so viele nette, wertvolle, lustige und tolle Kollegen (und Kolleginnen natürlich auch) kennenlernen dürfen, die hier leider keinen Beitrag wert sind, weil sie zu gut, brav, ehrlich und intelligent sind. Zu NORMAL! Kein Mensch will etwas darüber lesen, wie ich mit tollen Kollegen bowlen war und mich toll unterhalten habe bis wir wieder ganz toll nach Hause gegangen sind.

Also berichte ich stattdessen über die absoluten Bomben und Kracher, die mich sprachlos gemacht haben. Ich nenne sie liebevoll meine Blitzbirnen. Der Fairness halber verzichte ich natürlich auf Namen und Beschreibungen, aber für die Lebendigkeit der Erzählung braucht es trotzdem authentische Figuren. Daher beginne ich mit einer Kollegin, die wohl vom Herzen her einer der liebsten und freundlichsten Menschen ist, die ich jemals getroffen habe. Nur leider mit einem geradezu kindlich naiven Gemüt und einer eher einfach gestrickten Intelligenz.

Anfangs sind die Erfahrungen noch eher irgendwie niedlich, wenn eine über 50-Jährige an ihrem ersten Tag eine geschlagene Minute wie ein scheues Reh vor einem Laptop mit externem Bildschirm steht und grübelt, wo die Anschalteknopf für der Gerät ist. Hierzu kurz erklärt, dass es sich um eine italienische Französin handelt mit diese total niedlische Agseeend.

Ich schmunzle, denke mir nichts dabei und helfe natürlich. Diese zwischenmenschliche Reaktion wandelt sich mit der Zeit allerdings gravierend, denn nach zahlreichen Hilfsaktionen „Enschuldige, aberä darfisch Disch ein Frage“ gehe ich Monate später zu einer Art Sozialstudie über und beobachte hilflose Verhaltensweisen eine zeitlang, um herauszufinden wie oft ein erwachsenes Kind auf die Herdplatte packt bevor die Erkenntnis einschlägt wie ein Blitz.

Experiment „falscher Login“ Teil I: ich registriere mir gegenüber beim morgendlichen Login-Vorgang ein unfreundliches PC-möööp, weil Passwort oder Benutzername wohl falsch sind. Mmmmhhhh, gestern war der EDV-Spezialist da und hat die Rechner aktualisiert und entrümpelt. Steht wohl als Benutzername noch „Admin“ drin und das übliche Passwort passt nicht dazu, denke ich mir.

Ich reagiere nicht und zähle mit…klack-klack-klack Passworteingabe möööp ZWEI…laaaangsame klack-klack-klack Passworteingabe möööp DREI…noch langsamere mit-zwei-Fingern-vorsichtig-tipp klack-klack-klack Passworteingabe möööp VIER…mit-einem-Finger-extrem-konzentriert-von-oben-tipp klack-klack-klack Passworteingabe möööp FÜNF. Gerade als ich denke, dass das wohl mein Soundtrack für den restlichen Tag wird, greift sie zum Telefon und ruft unseren Chef.

Der erklärt ihr in aller Kürze, dass sie den Benutzernamen in ihren eigenen abändern muss, dann passt auch das Passwort wieder, mit dem sie es seit einigen Minuten versucht. „Oh, das steht auf die Zettel von die erste Tag, oder? Die liegt Dsuhause…mmmmhh“. Da nützen einem die Zugangsdaten ja auch am meisten – machen wir alle so.

Experiment „falscher Login“ Teil II: man denkt ja, dass einem Menschen so etwas nur ein Mal passiert. Und dann schafft derjenige eine unfassbare Variante des Problems, die man nicht für möglich gehalten hat. So darf ich keine drei Tage später einer fast identischen Situation beiwohnen und muss mir ein Lachen verkneifen als es bei der morgendlichen Passworteingabe möööpt.

„Moooooment, isch…nein nein, die Name is korrekt. Sooooo“. Es klackt auf der Tastatur, es möööpt aus dem PC und meine Kollegin wird zunehmend verwirrter und ruft nach fünf Runden den PC-Spezialisten an. Der überrascht uns Beide, indem er ihr am Telefon eine Taste benennt. Die sie nicht kennt. Sprachbarriere, Unwissenheit, ich weiß es nicht. Jedenfalls lotst er sie über die Tastatur wie beim heißen Draht „links runter, runter, runter bis zu der breiten“. „Ahhhh, da is eine dicke Pfeil“. „Genau DIE. Das ist die Feststelltaste. Drück die bitte und versuch es dann nochmal“. Ich verrate wohl nicht zu viel, wenn ich sage, dass das Problem damit behoben ist.

Einen knappen Monat später sollen wir für unser Team-Event mit Hilfe von Nummern Teams auslosen, damit nicht immer dieselben Kollegen die Köpfe zusammenstecken wie sonst auch. Als eine der letzten bittet unser Chef nun meine Kollegin „Zieh doch mal bitte eine Nummer“. Mit der Antwort hat er nicht gerechnet. Sie strahlt ihn mit ihrem breitesten Lächeln freundlich an und sagt „Oh, nein danke“.

Irgendwann in diesen Wochen ist mir spontan durch den Kopf geschossen, ob einige der Blitzbirnen in meinem Umfeld evtl. an einem Brainsharing-Programm teilnehmen? Gibt es das? Wäre das eine mögliche Marktlücke? Wenn man sich überlegt wie viele Blitzbirnen man überall trifft, dann wäre die Gruppe an Interessenten sicherlich riesengroß!

Manchmal wünsche ich mir in solchen Momenten, dass ein Hirn vom Himmel fallen möge. Dann stehe ich da und stelle mir vor wie genau das passiert. Wie ich Zeuge werde, wenn in Zeitlupe die besagte Person dem besagten vom Himmel fallenden göttlichen IQ-Geschenk mit einem beherzten Schritt zur Seite ausweicht und es am Boden platschend zerplatzt „ha, diese Vogel hat misch nischt angeschissen, so eine Glüüück“. Tja, das wäre Ihr Hirn gewesen…

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